Eat dessert first – Über Porto die Portweine des Douro-Weintals genießen

“Eat dessert first” ist die perfekte Bezeichnung für diese Genussreise nach Porto und in das wunderschöne Douro-Weintal. Bekannt für seinen süßen Portwein, bietet Portugals Norden ganz nebenbei noch einzigartige Landschaften mit terrassenförmigen Weinbergen und haarnadel schmalen Straßen zu Quintas mit spektakulären Ausblicken. Ende Oktober, Anfang November habt ihr noch milde Temperaturen, die Saison ist vorbei, die Touristen ausgeflogen. Die Winzer sind entspannter, selbst der Douro scheint ein wenig träger zu fließen. Begebt euch in die morbid-charmante Stadt Porto und erkundet von dort aus das Douro-Weintal mit seinen grandiosen Dessert- und Qualitätsweinen. Dazu typisch portugiesische Tapas oder frischer Fisch und noch die letzten Sonnenstrahlen im Gesicht. Was braucht man mehr, um glücklich zu sein?

What you need to know

  • Über Porto in das Douro-Weintal bis Pinhao
  • Reisedauer: 5 bis 7 Tage
  • Gesamtkosten: ab ca. 270 € p.P.

Flug, Unterkunft & Mietwagen

  • Flug

    ab/bis Porto: 30 € p.P.

    Flugdauer: ca. 2,5 Stunden

  • Unterkunft

    Porto und Douro-Weintal: ab ca. 400 € (2 Personen/5 Nächte)

  • Vom Flughafen nach Porto

    Spart euch den Mietwagen für die ersten zwei Tage. In Porto braucht ihr ihn nicht und der Flughafen ist gut angebunden. Nehmt den Airport-Shuttle in die Stadt und zwei Tage später wieder zurück.

    Airport-Shuttle per Bus: 5 €; Fahrdauer 20 Minuten

    Metro: Linie E bis zum Zentrum (Haltestelle: Trindade) nehmen. Von hier aus könnt ihr in alle Metrostationen umsteigen. Einfaches Ticket (Zone 4; 2 €) ist 1 Stunde und 15 Minuten gültig. Ihr zahlt anfangs 0,60 €mehr, danach könnt ihr die Tickets aufladen. Immer entwerten, bevor ihr euch setzt. Fahrdauer 30 Minuten.

  • Mietwagen

    von/bis Porto ab dem 3. Tag: ca. 40 €

Deine Reiseplanung

Zwei Tage in Porto

Tag 1 & 2 – Oporto, oh Porto

Start dieser Tour ist in Porto, der Stadt, die dem Portwein seinen Namen gegeben hat. Und diesmal werde ich euch keine detaillierte Wegbeschreibung mit auf den Weg geben, denn Porto braucht das nicht. Noch lange nicht von Touristen überlaufen, liegen alle Sehenswürdigkeiten so zentral und nah beieinander, dass es weder langer Wartezeiten und Online-Reservierungen noch großer Wegbeschreibungen bedarf. Wer weiß, woran das liegt? Vielleicht daran, dass Porto keine Stadt für Fans von geschniegelten, prachtvollen Fassaden ist. Porto ist eher morbide, manchmal nahezu zerfallen – und gerade das macht den fesselnden Charme der Portweinstadt aus. So zählt der Stadtteil Ribeira, einst ein Armenviertel am unteren Douroufer, heute zum historischen Zentrum der Stadt, das zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde und mit seinen farbenfrohen Häuserreihen begeistert. Das Wahrzeichen der Stadt – die Brücke Ponte Dom Luis I – verbindet Porto mit der Villa Nova de Gaia, der Stadtseite, die mit Portwein-Lagerhäusern und -produktionen gespickt ist. Wer die unterschiedlichen süßen, schweren Dessertweine probieren möchte, hat hier wahrlich die Qual der Wahl. Weniger quälend ist die Anzahl der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Einige sehr sehenswerte wie die Kirche Igreja dos Clérigos oder auch der Hauptbahnhof Sao Bento, der ohne Witz wirklich sehenswert ist, liegen nah beieinander und sind schnell erreicht. Und genau dieses schlichte Erscheinung macht Porto so entdeckenswert. Denn der Blick wird nicht abgelenkt von Feinheiten wie Wäscheleinen über verwinkelte Gassen oder der Schönheit der vermeintlichen Harry Potter Bibliothek. Geruchs- und Geschmacksknospen dürfen sich auf deftige Fleischgerichte und leichte Fischspeisen so freuen wie auf süße Dessertweine und köstliche Portwein-Sangria. Und so bleibt der Blick dann doch kleben und man möchte wie der Portugiese sagen: Oporto, wie schön du bist, mit deinem im Sonnenuntergang glitzernden Douro, an dessen Hängen sich die Stadt hochzieht.

Nehmt euch zum Erkunden der Stadt ruhig zwei Tage Zeit. Porto will entdeckt werden und muss seinen Charme entfalten dürfen. Genießt die Restaurants, Bars und Pubs der Stadt, in denen es oft an den Wochenenden Konzerte gibt, und die immer noch ein sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Nehmt euch die Zeit, einen Blick in die Gassen und Winkel Portos zu werfen und auch die Portwein-Hersteller kennenzulernen. Entschleunigt in Porto und freut euch auf euer Abenteuer in das nur einen Katzensprung entfernt liegende Douro-Weintal.

Sehenswürdigkeiten und Eintritte

Ponte Dom Luis I (Brücke) – Eintritt frei

Igreja dos Clérigos (Kirche) –  Eintritt 6,50 € mit Tower, Kirche und Museum

Livraria Lello (Buchladen): Eintritt 5 €, die beim Kauf eines Buches angerechnet werden

Palácio da Bolsa (Palast): Eintritt 9 €

Capela de Santa Catarina (Chapel of Souls; blaue Kirche) – Eintritt frei

Igreja de Santa Clara – Eintritt frei

Hauptbahnhof Sao Bento: Eintritt frei

Portweine-Besichtigung:
Es gibt sehr viele Anbieter auf der Portwein-Seite der Stadt. Hier direkt der erste, der sich links an der Brücke befindet.

Burmester-Kellerei – Eintritt nur mit Führung und Verkostung, 10 €

Essen & Trinken

Majestic Cafe

Molete Bread & Breakfast

O Buraco: portugiesische Küche

Comme Ca: richtig schönes Restaurant

Champanheria da Baixa: beste Sangria; gute Cocktail-Bar

Start ins Douro-Weintal

Individuelle Touren

Da ich euch so viel Freiraum wie möglich in eurer Planung lassen möchte, habe ich die Touren nach Verlauf für euch zusammengestellt.
Drei Tage solltet ihr im Douro-Tal einplanen, wenn ihr sowohl etwas sehen, wie auch eine Schifffahrt und eine Weinverkostung machen möchtet.
Die Städte, die für eure Urlaubstage in der Region einen guten Start- und Landepunkt auf den Touren bieten, sind Lamego, Régua und Vila Real.

Von Porto aus über Amarante fahrend, ist der Weg bis nach Régua für alle Zielorte mehr oder weniger derselbe. Entweder ihr bleibt dort oder fahrt nördlich in die Region nach Vila Real oder südlich nach Lamego.

Damit ihr eine bessere Übersicht habt, habe ich euch entsprechend die Routen “Anfahrt bis Régua” und “Richtung Lamego” und “Richtung Vila Real” angelegt. Zudem eine Extratour nach Pinhau, die ihr auf jeden Fall einplanen solltet.
Nach eurer Ankunft habt ihr so auch die Möglichkeit, kleine Touren selbst zu fahren und das Douro-Weintal in all seinen Facetten und seiner Schönheit zu erkunden.

Meine Tourvorschläge

Stationen: Amarante – Régua

Die direkte Fahrt von Porto nach Régua dauert etwas über eine Stunde. Wenn ihr die von mir vorgeschlagene Route über Amarante nehmt, braucht ihr zwei Stunden für die Fahrt, dafür erlebt ihr sofort die Landschaften des Douro-Tals.

Amarante
Ein kleiner, unscheinbarer Ort, der sich auf der Strecke mit einer herrlichen Konditorei als Rastmöglichkeit anbietet. Der Ortskern umfasst eine Kirche und ein Kloster.
Konditorei-Tipp: Cofeitaria da Ponte

Régua
Der Ort spielt bei der Produktion des Portweins eine entscheidende Rolle. Hier wurden die Weinfässer abgefüllt und auf den Rabelos-Schiffen nach Gaia transportiert, wo der Wein heranreifte. Trassenförmig an den Weinbergen angelegt, erzeugt Régua ein hübsches Landschaftsbild. Régua ist auf jedem Trip einen Halt wert.
Museums-Empfehlung: Das Museo do Douro liegt angrenzend zur Stadt. Ihr bekommt einen Überblick über den Anbau, die Produktion und über den Transport von früheren Zeiten. Es gibt auch unterschiedliche Wein-Tasting-Pakete. Ist super, insbesondere bei kleineren Budgets!
Eintritt ab 7,50 €, Weinprobe ab 5 €

Aussichtspunkt Sao Leonardo in Galafura: Nehmt euch den Moment und fahrt zum Aussichtspunkt Sao Leonardo. Nur eine halbe Stunde von Régua entfernt, bietet er euch tolle Weitsichten! Bei gutem Wetter, packt ihr am besten ein Picknick mit ein!

Restaurant-Empfehlung: Castras & Pratos. Etwas gehobener, aber toll!

Restaurant-Empfehlung: Aneto & Table.  Umgebautes Lokomotiv-Depot, tolle Küche

Strecke: Lamego – Tarouca

Lamego

Lamego zählt zu den geschichtsträchtigsten Städten Portugals und ist Sitz eines katholischen Bischofstum. Lamego wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten darauf, von euch entdeckt zu werden. Auf jeden Fall eine Fahrt wert!
Sehenswert:
– Shrine of our lady of remedies
– Kathedrale
– Museum
Restaurant-Tipp: Casa da Real companhian. Liegt am Ende einer Straße, man meint nicht, dass es ein Restaurant ist, weil das Gebäude ein Wohnhaus ist. Tolles Essen mit tollem Blick und netten Gastgebern!

Tarouca

Wer liebevoll restaurierte und historische Gebäude mag, der fährt nach Tarouca. Die Gegend ist historisch sehr interessant. Ebenso wie die Restauration des ehemaligen Zisterzienserabteis São João de Tarouca, deren Bau im Jahr 1168 begonnen wurde.
Restaurant-Tipp: Fonte do Povo

Stationen: Vila Real – Casa de Mateus

Vila Real

Beeindruckend erheben sich aristrokratische Gebäude, Herrenhäuser und Kathedralen. Die “Königliche Stadt” trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Ein Spaziergang zwischen diesen Anwesen und emsigen Einkaufsstraßen macht einfach Spaß!
Restaurant-Tipp: Vinho e Tretas. Super Tapas-Bar

Ausflugstipp: Casa de Mateus. Eintritt All-In 12,50 €
Der Mateuspalast ist einen Besuch bei gutem Wetter wert! Zu dem Palast gehören das Hauptgebäude, ein Weinkeller, eine Kapelle und insbesondere ein wunderschöner Park. Erbaut als eines der nobelsten Herrengüter, beeindruckt es mit seinen barocken Innenräumen und der reichhaltigen Bibliothek. Palast-Besichtigung ist nur mit Führung möglich. Bilder sind nicht erlaubt.

Pinhao ist eine kleine, verschlafene Stadt, die zum Hafen zahlreicher Schiffstouren über den Douro geworden ist. Nur wenige Schritte trennen einen vom Ufer, gesäumt mit Bars und Vinotheken. Dort am Ufer warten die Rabelo-Boote, ein Nachbau des Bootstyps, der früher zum Transport von Weinfässern eingesetzt wurde, auf euren Besuch. Eine Stunde dauert die Schifffahrt, die bis nach Tua führt. Dabei gleitet man an der wunderschönen Landschaften an Weinbergen und zahlreichen Quintas und Produktionsfirmen vorbei.

Eine Schifffahrt ist überall am Ufer buchbar. Gefahren wird immer, wenn die Sicht und Navigation es zulässt. Eine Stunde kostet ca. 10 €.

Restaurant-Empfehlung: Veladouro

Über Portweine & Winzer-Empfehlungen

Der Portwein gilt als der älteste Botschafter Portugals. Das Douro-Tal im Norden des Landes ist das älteste klassifizierte Weinanbaugebiet der Welt. Seine Ursprünge reichen bis in das Jahr 1756 zurück. Da ließ der Marques de Pombal eine 26.000 Hektar große Fläche entlang des Douro mit Grenzsteinen abstecken und den Weinanbau innerhalb dieser Region streng regulieren. Heute führt diese Handlung zu der ersten geschützten Herkunftsbezeichnung eines Weins, kurz DOC. Doch erst Mitte des 18. Jhd. erlebte das Tal einen wirtschaftlichen Aufschwung – mit dem Export seiner Portweine, die bis heute weltweit bekannt und beliebt sind. Erfunden haben den Portwein aber eigentlich englische Händler. Ende des 17. Jhd. Verstärkten sie den portugiesischen Wein mit Brandy, um ihn für die Seereise nach England haltbar zu machen. Bis heute folgt man diesem Grundprinzip. Allerdings nicht mehr aufgrund der Haltbarkeit, sondern wegen des Geschmacks. Edelsüß präsentiert sich der meist rubinrote Wein, besitzt häufig sehr intensive Noten von roten Früchten oder exotischen Gewürzen. Als Kontrast und deshalb dringend empfehlenswert ist es, die Sorte Tawny als bernsteingelbe Variation des Portweins zu kosten. Hierzu ein Stück warmer Schokoladenkuchen – ihr werdet im Gourmethimmel sein!

Neben den Portweinen werden im Douro-Tag auch klassische, gehaltvolle Rotweine produziert. Die wichtigsten sechs Rebsorten sind: Touriga Nacional, Tinta Barroca, Touriga Francesca, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cao. Meist Cuvees mehrerer Rebsorten, sind die Douro-Weine rau und zergehen nicht wie der Portwein auf der Zunge. Weinliebhaber von trockenen Rotweinen werden ihn dafür aber umso mehr lieben!

Winzer-Empfehlung: Quinta do Vallado. Eines der ältesten und berühmtesten Weingüter. Im stylishen Neubau präsentieren sich hier preisgekrönte Weine und eine gigantische Produktion, von der rund 900.000 (!) Flaschen im Jahr exportiert werden. Must-See! Führungen immer 11:30 und 15 Uhr.

Winzer-Empfehlung: Quinta Casa Amarela. Seit 1885 produziert der Familienbetrieb der Quinta Casa Amarela Weine. Bis zu 80.000 Flaschen werden exportiert. Im Keller ruht ein rund 7.650 Liter Weinfass. Ob es einen Unterschied macht, dass die Weine 24 Stunden lang mit Vivaldis 4 Jahreszeiten berieselt werden? Nun, testet es aus!